Ha, ha, Halacha the sequel

oder: “Wer Jude ist bestimme ich” (Göring)


Es gibt zwei Gesetze die regeln wer Jude ist, eines sind die Nürnberger Rassegesetze der
Nazis von 1935, das andere ist die Halacha.
Eines davon ist sehr liberal gefasst, das andere ist sehr restriktiv. Gut ihre Intentionen sind
sehr gegensätzlich, Leid verursach(t)en sie beide.


In der erweiterten jüdischen Community tobt gerade der Kampf um die patrilineare Herkunft
und darum wer Jude sein darf. Überraschung: Es hängt davon ab ob der Uterus aus dem
man gekommen ist den koscher Stempel trägt oder nicht.


Was zu einigen Merkwürdigkeiten und Diskriminierungen führt. So ist es kein Problem wenn
eine jüdische Frau einen nicht jüdischen Mann heiratet, ihre Kinder sind automatisch jüdisch
und ihre Berechtigung Mitglied in einer jüdischen Gemeinde Mitglied zu werden wird nicht in
Frage gestellt. Ob die Kinder aus dieser Ehe als Juden erzogen werden, da gilt the sweet
benefit of a doubt.


Ist nur der Vater jüdisch fangen die Probleme an.


Während es relativ einfach ist Mitglied in einer christlichen Kirche zu werden; Wasser übern
Kopp und gut, oder Moslem, dreimal einen auswendig gelernten Satz gesagt und man ist
dabei, ist der Gijur eine mehr als abendfüllende Angelegenheit.


Richtig kompliziert wird es wenn man vor dem Entdecken seiner Zugehörigkeit zum
auserwählten Volk 2. Klasse bereits geheiratet und Kinder bekommen hat. Jetzt gilt nämlich
ein Übertritt nur wenn die gesamte Familie mitmacht, weil jüdischer Glauben ja zu einem
großen Teil innerhalb der Familie gelebt wird, Wir erinnern uns, ist die Frau jüdisch wird nicht
darauf beharrt, dass der/die Lebensgefährte/in übertritt.


Nun lebe ich in einer Welt in der ich grundsätzlich nur Entscheidungen für mich treffe und
nicht über die Entscheidungen eines anderen bestimme.


Also zwei Wege:


Ich lasse mich scheiden, trete zum Judentum über und heirate danach meinen Exmann,
oder
ich verzichte auf den Übertritt und werde eben kein Mitglied mit 1 und Sternchen.


Ratet!

Corona Pessach 2.0

Oder: nur noch müde

Am Wochenende beginnt Pessach, auch dieses Jahr wird der Seder eine zoomige Angelegenheit.

Letztes Jahr war Pessach für mich eine Zeit der Hoffnung, des Versprechens, des „wir haben es schon durch noch schwerere Zeiten geschafft“. Der Seder Tisch bei Zoom war sogar größer als der im Zimmer, denn die Verwandschaft aus Israel und Namibia konnte plötzlich mitfeiern.

Dieses Jahr bin ich nur noch müde. Welchen Rückenwind hatte mir die Nachricht „es gibt einen wirksamen Impfstoff“ gegeben. Es war ein Versprechen auf das Ende der Angst mich oder Menschen die mir am Herzen liegen zu infizieren, das Licht am Ende des Tunnels (diesmal keine Lokomotive), die Hoffnung darauf meine geliebten Senioren-Kurse fortzuführen und wieder mit diesen besonderen Männern und Frauen in den Ausstausch von Ideen und Gedanken zu treten.

Der Rückenwind ist nicht mehr da. Er verwehte sich in dem Impfchaos bestehend aus einer falschen Beschaffungsstrategie und den Gängen des deutschen Bürokratismus. Geblieben ist Fassungslosigkeit ob der Mutlosigkeit einer Regierung, der Kleinstaaterei des Föderalismus, des Egoismus gewisser Zeitgenossen.

Ja, auch am Samstagabend wird die Frage gestellt werden „warum ist diese Nacht so anders als andere Nächte“, aber mir brennt die Frage in der Kehle „wann werden unsere Nächte wieder anders sein als die Nächte seit Corona“.

Depressionen in Zeiten der Cholera

Oder: ja ich meine Corona

Jeder der nicht von Depressionen betroffen war, oder ist hat keine Vorstellung davon was der Shutdown des öffentlichen Lebens und eine Quarantäne bedeuten kann.

Wie auch andere Depressive ist ein Teil des Krankheitsbildes bei mir das Gefühl fremdbestimmt zu sein. Darum ist es wichtig das Gefühl zu haben die Situation zu kontrollieren, jederzeit ins Freie ausbrechen zu können. Tägliche Strukturen halten die Krankheit im Zaum. Jeden Tag aufstehen und zur Arbeit gehen zu müssen, die Interaktion mit Anderen ist wichtig, in Phasen der tiefen Depression (über)lebenswichtig.

Schon die Vorstellung nicht mehr nach draußen gehen zu dürfen, zusätzlich zur Sorge um die finanzielle Sicherheit oder den Job reicht aus um suizidale Gedanken hervorzurufen. Ich bin in der glücklichen Lage nicht allein zu sein, habe einen Partner und Haustiere die einen gewissen Zwang mitbringen trotzdem jeden Tag aufzustehen.

Ich sorge mich um die, die allein sind, bei denen ihr Job der einzige Fixpunkt ist, die ohne ihre Arbeit jetzt keine Notwendigkeit haben einen geregelten Tagesablauf einzuhalten. Wenn ihr solche Menschen in eurer Bekanntschaft habt kümmert euch. Macht feste Zeiten für einen Anruf oder ein Video Gespräch aus. Fragt in diesen Gesprächen nach den Dingen die betreffende Person schon erledigt hat, fragt danach was die größte Sorge der Person ist, fragt nach Dingen die für den Rest des Tages geplant sind, fragt ob sie schon unter der Dusche war, sich angezogen hat.

Werden konkrete Ängste angesprochen und ihr wisst woher Hilfe kommen kann teilt es mit, aber nehmt dem Depressiven nicht die Lösung des Problems aus der Hand, handelt nach dem Motto der Montessori Schule „hilf mir es selbst zu tun“ (Fremdbestimmt und so).

Versucht das Augenmerk auf Dinge zu lenken, die selbst bestimmt werden können. Vielleicht hilft es auch euch die Perspektive zu wechseln.

Achtet auf Stimmungsschwankungen sowohl zum negativen, aber auch auf plötzliche gute Laune. Depressive Menschen die konkrete Pläne zum Suizid geschmiedet haben sind oft sehr gelöst weil sie, vermeintlich, einen Ausweg gefunden haben.

Und schließlich. Passt auf euch auf.

Lights

Dieses Jahr ist mir positiv aufgefallen, das in den Geschäften immer häufiger konsequent „Frohe Feiertage“ statt „Frohe Weihnachten“ gewünscht wurden.

Eine nette, inkludierende Geste, die wohl nicht nur wir jüdischen oder muslimischen Bürger zu schätzen wissen.

In den letzten Jahren hat sich viel auf dem Gebiet der Definition getan, was zu Deutschland gehört und was nicht, positiv wie negativ. Als Ruprecht Polenz, der letzte CDU Politiker den ich noch respektieren kann, auf Twitter eine Lanze für das neutralere „Frohe Feiertage“ brach, witterten viele natürlich den Untergang des Abendlandes.

Auch mir wurde in der Diskussion unterstellt ich sei undankbar, schließlich dürfte ich mich ja glücklich schätzen in Deutschland leben zu dürfen. Auch kann es gar nicht sein, dass ich mich als Jüdin ausgeschlossen fühle wenn „Frohe Weihnachten“ gewünscht würden. Wobei ich nicht verstehe warum sich Christen ausgeschlossen und angegriffen fühlen wenn andere Religionen in den Festtagsgruß eingeschlossen werden.

Ich glaube wir waren zu lange unsichtbar. Gerade darum bin ich der Chabad Organisation dankbar, die in allen größeren Städten in Deutschland und Europa auf zentralen, öffentlichen Plätzen Channukah Leuchter aufstellt und so das Wunder des Lichts verbreitet, mit jedem Tag wird das Licht um eine Flamme heller. Es braucht alle 8 Lichter um gegen die Dunkelheit zu leuchten, ebenso braucht es jede Religion, alle Atheisten, Humanisten, (A)Gnostiker und die, die noch auf der Suche sind um eine stabile Gesellschaft zu gestalten.

Jeder hat es in der Hand ob er inkludieren oder ausschließen will.

Nachhalle

Oder:
Du bist Deutschland?

Eine Woche ist Yom Kippur her, eine Woche in der die Wut nicht weniger geworden ist. Eine Woche in der viel geredet und wenig gesagt wurde.

Pflichtschuldig pilgerten Politiker zur Tür der Hallenser Synagoge, dem Protokoll der Betroffenheit entsprechend sprachen sie vom „Nie wieder“, die Unteilbarkeit Deutschlands wurde beschworen, ebenso die Staatsräson zu den Juden und zu Israel zu stehen.

Immer wieder waren sie auch überrascht von dem Antisemitismus der so plötzlich so manifest da war. Immer wieder überboten sie sich mit Lippenbekenntnissen zu besserem Schutz und härterem Durchgreifen.

In der jüdischen Community wird es mit Misstrauen, Zweifel und sogar Belustigung verfolgt. Wieder wird über Juden gesprochen statt mit ihnen. Nicht das wir glauben uns würde endlich jemand zuhören, schließlich warnen der Zentralrat, unzählige NGOs und Initiativen gegen Rechts seit Jahren. Jeder von uns kann Geschichten von Antisemitismus erzählen und davon wie wenig man als Opfer ernst genommen und und unterstützt wird.

Jetzt gibt es wieder Mahnwachen, auch in einer kleinen Stadt in meiner Nähe wo der Kranz an der Gedenktafel für die Synagoge angezündet wurde. Diese Bekundungen sind wirklich nett gemeint, aber die nicht jüdischen Teilnehmer gehen danach in ihre Wohnungen und sind beruhigt in dem Gefühl „das Richtige“ getan zu haben, und die jüdischen Bürger stehen in ihren Wohnungen und fragen sich welche Möbel mit in den Container und welche Bücher unbedingt mit ins Handgepäck kommen.

Die Angst und die Wut gehen nicht weg, bloß weil eine Kerze vor der Synagoge brennt. Unterstützt Aufrufe an die Politiker endlich wirklich etwas gegen rechten Terrorismus zu tun, Bundeswehr und Sicherheitsbehörden nach rechten Sympathisanten zu durchsuchen und diese zu entlassen, schreibt eure Abgeordneten an und verlangt Maßnahmen statt Lippenbekenntnissen und seht uns endlich nicht mehr als exotische kleine Minderheit, wir sind mitten unter euch. NOCH.

Free?

Oder:

„Warum ist diese Nacht so anders als alle anderen Nächte?“

Diese Frage wurde am Sederabend in vielen Sprachen und vielen Ländern auf diesem Planeten gestellt.

Meine Frage ist: „Warum ist meine kleine Welt so anders als die in der ich aufgewachsen bin?“

Ich wurde in den 1970er Jahren in Linden groß, ein Arbeiterviertel. Die Firma für die mein Vater arbeitete hatte eigene Betriebswohnungen und in einer davon wohnten wir. Die Wohnungen hatten noch keine Badezimmer mit fließend Warmwasser, geheizt wurde mit Kohlen, an der Größe der Kohlestaubflecken auf dem Bürgersteig konnte man die Einkommensverhältnisse der Haushalte ablesen.

Meine Mutter war die Hauswirtin für den kompletten Block und sorgte dafür, dass neue Mieter ein Getränk, einen selbstgebackenen Kuchen und, im Winter eine warme Wohnung, vorfanden.

Fast jeder neue Mieter kam als Gastarbeiter aus einem anderen Land, die Unterschiede im Einkommen waren gering und eher im unteren Bereich angesiedelt.

Meine Freunde sprachen unzählige unterschiedliche Sprachen und wenn meine Mutter die Väter bei Behördengängen begleitete war ich zum Essen bei der jeweiligen Familie untergebracht. Ich wurde also in einer MultiKulti Umgebung groß und es war für mich das Normalste der Welt.

Gut, unsere Verwandten wagten sich nur selten in unseren Stadtteil und hatten Angst um ihr Leben und ihre Autos, mir war klar, dass sie einfach nur dumm und feige waren.

Als dann die Betriebswohnungen an einen Investor aus Frankfurt verkauft wurden, der Luxuswohnungen bauen wollte die sich keiner der bisherigen Mieter leisten konnte, bildete sich eine internationale Mietergruppe die gemeinsam kämpfte und, als der Kampf nicht zu gewinnen war, für jeden eine neue Wohnung fand.

Es gab echte Probleme im Viertel und Alle hielten zusammen egal woher sie kamen. Sogar die Hymne der Mietergruppe war mehrsprachig und jeder konnte alle Strophen mitsingen.

Heute stehen wir wieder vor großen Problemen, aber es gibt nur noch wenig Zusammenhalt. Da versuchen viele für sich das Meiste zu bekommen und gehen über Leichen, echte Solidarität findet sich nur noch selten. Statt eine gemeinsame Basis zu suchen werden Unterschiede gesucht oder geschaffen.

Die Gewalt und der Druck werden von oben nach unten weitergegeben und die schwächsten der Schwachen gegeneinander ausgespielt.

Welches Schilfmeer müssen wir durchqueren um ins gelobte Land zu kommen und wird es diesmal auch 40 Jahre dauern?

# We Remember

Oder:

Gestern war der 27. Januar, der Tag an dem der Opfer des Naziregimes gedacht wird, oder wie die Überlebenden und ihre Nachkommen ihn nennen „Tag“.

Wer selber den ewig unbesetzten Stuhl im Familienkreis in seiner Biographie mit sich trägt braucht keine Sonntagsreden oder bestimmte Daten um sich zu erinnern.

Wie jedes Jahr kommt um diese Zeit von vielen immer der gleiche Einwand:

  • „Was habe ich damit zu tun, ich bin erst (hier beliebiges Datum nach 1933 eingeben) geboren?“
  • „irgendwann ist aber auch mal gut.“
  • „ist das was die Juden mit den Palästinensern machen etwa besser?“
  • „HoloHoax“

Was dabei vergessen wird, es geht längst nicht mehr um Schuld, es geht darum die Fehler nicht zu wiederholen und gerade jetzt gegen den neuen Nationalismus, gegen die neue ICH-Mentalität zu sprechen.

Es macht mich unendlich traurig, wenn die Kinder oder Enkel der Überlebenden der Shoa sich am Islam Bashing beteiligen. JA, es gibt unter Muslimen viele Antisemiten, einige Muslime kennen nur Gewalt als Ausdruck ihrer (vermeintlichen) Stärke, und ja, dass muss kritisiert und konsequent bekämpft werden.

Aber, wer jetzt wieder alle Mitglieder einer bestimmten Glaubensgemeinschaft an den Pranger stellt und verunglimpft, der tötet meine jüdischen Großeltern ein zweites Mal.

Lasst den 27. Januar zu einem Aktionstag gegen jede Form der Diskriminierung werden und nicht nur für die Toten sprechen, sondern für die Lebenden.

Shine a little light

Oder: diese Mitzva braucht die Welt

Am gestrigen Abend hat für die Juden auf diesem Planeten Chanukah (other Schreibweisen are available) angefangen.

Grob gesagt feiern wir wieder einmal dass Überleben der Juden in schwierigen Zeiten. Genauer den SAGENHAFTEN Sieg der Makkabäer über die griechischen Invasoren, die Rückeroberung des Tempels und etwas mit dem die Band „Wir sind Helden“ nix zu tun hat, obwohl auch hier die Geschichte von Judith und Holofernes mitschwingt.

Wie bei jedem Feiertag gibt es Gebete und eine Mitzva, ein Gebot, ein Gesetz, dass zu befolgen ist. Wir sollen das Wunder teilen.

Moment! Welches Wunder?

Nachdem der Tempel befreit worden war und sämtliche Götzenbilder, die ihn entweiht hatten entfernt waren, sollte er wieder zur Wohnstätte des Allmächtigen gemacht werden.

Es war wichtig das ewige Feuer zu entzünden, dafür benötigte man geweihtes Öl. Nun waren aber sämtliche Vorräte von den Griechen vernichtet oder verschmutzt worden. In einer sehr verborgenen Ecke fand sich lediglich ein kleines Fläschchen, das gerade genug Öl für einen Tag enthielt, es brauchte aber 8 Tage um neues Öl zu beschaffen.

Um wenigstens für einen Tag den Trost der Anwesenheit G_ttes zu haben füllten sie das Öl trotzdem ein und entzündeten es. Dann geschah das Wunder, die Flamme brannte volle 8 Tage.

Bis heute feiert man dieses Wunder indem man 8 Tage lang in Öl zubereitete Speisen verzehrt (nehmt das Galle und Leber), und an jedem Abend die Channukah (told you so) Menora anzündet. Deren Licht soll man aber nicht egoistisch für sich behalten, sondern mit der Welt teilen um das Wunder zu verbreiten und ein wenig Wärme und Licht der Kälte und Dunkelheit entgegen zu setzen. Also landet der Leuchter nach dem Entzünden der Kerzen in der Fensterbank.

In diesem Jahr fällt der erste Tag von Hannukah (s.o.) zusammen mit dem Tag an dem der jährliche Geschenkeflashmob in meiner Heimatstadt durchgeführt wird.

Ähnlich dem Beispiel von Frank Zander haben sich auch hier Prominente* gefunden, die eine Weihnachtsfeier für Obdachlose und bedürftige Familien organisieren. Das Festmahl bereiten ortsansässige Gastronomen* zu, lokale Firmen stellen Sachspenden, Friseure* ihre Fähigkeiten zur Verfügung. Auch Ärzte*, Zahnärzte* und Hörgeräteakkustiker* kümmern sich um die, die sonst keinen Zugang zu solchen Dienstleistungen haben.

Mein kleines Licht, dass ich, abgesehen von der Channukia (don´t ask), auch in diesem Jahr verbreite sind die Sachspenden, die ich über das Jahr gesammelt habe. Diese kann jeder beim Geschenkeflashmob abgeben.

Ich habe mir angewöhnt bei jedem Einkauf im Drogeriemarkt ein Teil mehr mitzunehmen, fast ausschließlich Produkte für Kinder. Und beim Einkauf im Supermarkt auch Hunde Leckerlies mit langer Haltbarkeit. Gibt es beim Discounter Malbücher und Stifte landen auch immer welche davon im Einkaufswagen. Die Summen fallen kaum ins Gewicht, und was ist Geld schon im Vergleich dazu, dass man ein wenig Licht in das Leben eines Menschen bringen kann.

Bis zum Dezember hat sich da schon was gesammelt und die freiwilligen Helfer sind um jede Spende dankbar.

Vielleicht gibt es so etwas auch in eurer Stadt, ganz sicher sammeln Johanniter, Malteser oder das Rote Kreuz auch Sachspenden.

Jeder kann ein Licht in diese Welt bringen und die Dunkelheit vertreiben.

Ich glaube an euch

Burning desires

Oder: Es verbrannten nicht nur Gebäude sondern eine ganze Kultur

80 Jahre ist es her, das überall in Deutschland Synagogen und jüdische Geschäfte geschändet und verbrannt wurden. Der hoffnungsvolle Aufbruch in die erste deutsche Republik liegt 100 Jahre zurück.

20 Jahre in denen sich dieses Land von dem zarten Pflänzchen Demokratie in eine Diktatur schlimmsten Ausmaßes wandelte. Die NSDAP schaffte es in nur 3 Jahren den Firnis der Zivilisation abzutragen und Hass unter Deutschen, und denen die plötzlich keine Deutschen mehr sein durften, zu sähen und damit den ersten Feuersturm zu entzünden. Nur einige Jahre später ging auch der Hass weitestgehend im Feuer unter, lodert aber bis heute unter der Oberfläche weiter.

Mit der AfD hat er nun eine Partei gefunden die unermüdlich ihren Blasebalg in die Funken hält und die gleiche Angst vor „Fremden“ schürt, an der sich damals der Hass gegen alles jüdische entzündete.

Es verbrannten damals aber nicht nur die Tempel, und später dann die Tempelbesucher, es verbrannten hunderte von Jahren deutscher Geschichte und gemeinsam gelebter Kultur. Wissenschaftler, Künstler, Unternehmer die mit ihrem Wirken und Werken das damalige Deutschland mit erbaut hatten wurden vernichtet, oder mussten fliehen. Es fand ein Braindrain sondergleichen statt. Die Sprache der Wissenschaft war in vielen Gebieten Deutsch, heute ist es Englisch.

Aber diese Auswirkungen zeigten sich erst später. Viel ersichtlicher war das Verschwinden der vielen kleinen Geschäfte, die Schneiderei um die Ecke, der Schuhladen, das Büchergeschäft, usw. In Deutschland dieser Tage lebten die jüdischen Bürger nicht mehr im Ghetto, sie lebten inmitten der Gesellschaft. Sie hatten sich assimiliert, in vielen Familien stand der Channuka Leuchter neben dem Weihnachtsbaum. Sie waren im gleichen Maß religiös wie viele ihrer katholischen oder evangelischen Nachbarn, zu den Feiertage ging es in den Tempel. Aber jedes Wochenende zum G_ttesdienst, das wäre zu viel gewesen.

Die Anzahl der von den Nazis erfassten Halb-, Viertel- und was weiß ich Juden, zeigt wie tief die Assimilation ging. Manche Überlebende sagten, dass erst Hitler ihnen ihre jüdische Identität klar gemacht hat. Die überwiegende Anzahl der deutschen Gemeinden war ohnehin liberal ausgerichtet und keines der Gemeindemitglieder hätte sich als etwas anderes gesehen, als deutscher Bürger zu sein.

Heute mehren sich wieder Stimmen, die unsere Bevölkerung in „deutsche Bürger“ und „die Anderen“ aufteilen wollen. Die gleichen Stimmen wollen nicht mehr an den „Vogelschiss“ der Nazi Diktatur erinnert werden. Auch dieses Jahr werden unter den Berichten zum Gedenken an die Pogrome des 9. November 1938 in den sozialen Medien Kommentare wie diese Beispiele geschrieben werden:

„Ich bin Jahrgang (hier beliebiges Jahr nach 1945 einsetzen), was hat das mit mir zu tun?“

oder

„immer jammern die Juden rum um noch mehr Geld zu erpressen.“

Weitere Beispiele können selbst gefunden werden.

Und wie jedes Jahr bleibt zuerst nur der Hinweis auf den Ausspruch von Max Mannheimer sel. A.:

„Ihr seid nicht schuld an dem, was war,
aber verantwortlich dafür, dass es nicht mehr geschieht.“

Im Folgenden könnte die individuelle Überlegung stehen.

Wie sieht meine Stadt aus wenn die Geschäfte, die von Migranten oder ihren Kindern betrieben werden, plötzlich ausgebrannt oder zerstört wären?

Würde ich merken wenn viele Wohnungen über Nacht leer stehen und es Versteigerungen von Möbeln, Kleidung und Wertgegenständen gäbe, die ich bei meinen Nachbarn gesehen habe?

Hätte ich den Mut nicht weg zu schauen?

Niemand von uns weiß ob er den Mut gehabt hätte zu löschen, wo viele mit zündelten, ob er seine Familie gefährdet hätte um seine Nachbarn zu schützen. Aber, jeder kann heute dazu beitragen, dass er nicht vor diese Frage gestellt wird.

!?

oder: Denk ich an Deutschland in der Nacht

In der jüdischen Community ist momentan ein Thema sehr präsent.

„Wohin gehst Du, wenn es in Deutschland so weiter geht?“

Aus den Stimmen „Die AfD ist nur ein Spuk der vorbei geht.“ ist, spätestens nach Chemnitz, ein „so hat es damals auch angefangen“ geworden.

Die Angst ist da. Nicht vor radikalen Muslimen; in letzter Zeit gab es keine Demonstrationen auf denen gefordert wurde „Deutschland den Moslems, Deutschländer raus“.

Die Angst vor den eigenen „Mit“-Bürgern. Vor denen die ihren Hass ungehindert in die Welt brüllen, vor jenen, die einen Hitlergruß als Zeichen der Angst vor einer ominösen Überfremdung sehen.

Als würden wir, aus Angst vor Rechtsextremen, anfangen wieder gelbe Sterne zu tragen.

Die Frage ist da, ob das noch das Deutschland ist, in dem wir leben können.

Wollen wir ernsthaft weiter ein Deutschland ertragen, in dem die Politik unfähig ist große Teile der Bevölkerung zu integrieren. Auch damit sind nicht die Geflüchteten gemeint, sondern die, die nur wegen eines deutschen Ortes auf der Geburtsurkunde meinen etwas Besseres zu sein.

Die, die schon 1992 mit einem bunten, weltoffenen Deutschland überfordert waren und nie aus der „der Staat muss für mich sorgen“ Haltung der ehemaligen DDR heraus gekommen sind.

Die, die nicht anpacken, nicht für sich selbst sorgen wollen und denen, die anpacken möchten es aber nicht dürfen, nicht einmal das Dach über dem Kopf gönnen.

Die, die Gutmensch als Schimpfwort benutzen und Multi-Kulti als Kampfansage verstehen.

Kurz, können wir unsere Lebensweise gegen die Revanchisten verteidigen, oder ist es sicherer zu gehen?

Neben dieser Frage ist noch interessant, wohin geht man wenn es soweit ist. Israel scheidet wegen der Politik Netanyahus aus. Wie mein Vater 1937 nach England gehen, klappt wegen des bevorstehenden Brexit auch nicht.

Deutschlehrerin in Irland ist eine Option, aber darf ich meiner Familie so eine Entscheidung aufzwingen?

Sicher, sowohl der beste Ehemann, als auch der beste Sohn von Allen würden mit ihren Qualifikationen schnell einen Job finden und Fuß fassen können, aber darf ich sie entwurzeln, aus ihrem Umfeld reißen, wegen meiner Angst.

Ja es gibt das nicht bedrohliche Deutschland noch. Inzwischen waren 65,000 in Chemnitz und zeigten Flagge auf dem Konzert gegen Rechts, aber wie viele waren nur wegen der Musik da?

In vielen Städten im Westen Deutschlands gingen sie gegen Rechtsextremisten auf die Straße, zeigten das gute, das bunte Gesicht unseres Landes.

Aber, wie viele von ihnen würden die Leidtragenden eines neuen Nazi Regimes im Ernstfall unterstützen, verstecken, schützen. Ist in Yad Vashem noch Platz für weitere „Gerechte unter den Völkern“.

Aus meinem trotzigen „ich bleibe“ mit Ausrufezeichen, ist ein „ich gehe“ mit Fragezeichen geworden.